Von A nach B und wieder nach A!

20121031-144118.jpg

Lang lang ist`s her, dass ich mal wieder geschrieben habe.
Dafuer kommt jetzt ein Beitrag in Huelle und Fuelle, nichts fuer 2 Minuten 🙂

Wo waren wir denn stehen geblieben?
Ach genau, im Auto mit den Finnen. Die Finnen waren im Grunde ganz lieb, nach 13 Stunden Fahrt gingen uns die Beiden allerdings so ziemlich auf die Nerven: Sie konnten sich nicht selbst beschaeftigen und loecherten uns stundenlang mit Fragen.
„Watt ar ju duing?“, „Watt are ju watsching?“, „Hu is set on jor Fon?“, „Watt ar ju laughing abaut?“ waren nur einige von tausenden Fragen. Uff!
Nachdem ich mich dann aber die restlichen 5 Stunden schlafend gestellt habe, hatte ich meine Ruhe 🙂
Angekommen sind wir in Brisbane gegen 2 Uhr nachts, also hatten wir noch genug Zeit, um Schlaf zu bekommen.
4 Mann in einem miefigen Auto, eingeklemmt zwischen Vordersitz und Rucksaecken. Nasse Fuesse und immer einen Ellenbogen im Gesicht.
Es gibt Schlimmeres, aber auch eindeutig Schoeneres!

Nachdem wir dann 2 Naechte in Brisbane im Hotel verbrachten (die Finnen natuerlich immer an unserer Seite..), etliche Farmen anriefen um Farmjobs zu ergattern (erfolglos) , trafen wir eine Entscheidung:
Wir fahren wieder zurueck.
Also buchten wir eine Busfahrt zurueck, 14 Stunden Fahrt sollten es werden und weitere 1200 km!
Das wir in Brisbane so rein gar nichts ausser die eigenen 4 Hostelwaende gesehen hatten,war uns zu diesem Zeitpunkt so ziemlich egal. Wir wollen Sonne und wir wollen raus aus der Grossstadt!

Gesagt, Getan. Nach 14 Stunden Busfahrt (ohne weitere Vorkomnisse) kamen wir in Airlie Beach an. Dort buchte man uns Glueckspilze in den Mitarbeiterraum. So zahlten wir den Normalpreis, hatten aber 2 Bettraeume, 2 Badezimmer und ein Wohnzimmer inklusive Kuehlschrank und Fernseher (Dass der nicht funktionierte, ist ja egal! Er sah schoen aus und man konnte andere Hostelgaeste damit beeindrucken!). In Airlie Beach hatten wir eine tolle Zeit mit viel Sonne und vielen Gratisgetraenken (Merke: Footballmanschaften geben unheimlich gerne einen aus!) Unsere alten Mitreisenden (die zwei Englaender) waren auch in Airlie Beach, sie hatten genug gefischt und getrunken und brauchten eine Auszeit in der Sonne. Ihnen angeschlossen hatte sich ein aelterer Herr (70!), der sich mal eine Auszeit von seiner teuflischen Ehefrau nehmen wollte. („Die geht mir auf die Nerven, die alte!“). Was fuer ein Trio. Der eine redet gerne, der andere hoert am liebsten zu. Und der dritte im Bunde (der alte Herr) bruellt alle Zehn Minuten einen Kommentar (schwerhoerig)! Eine lustige Zeit hatten wir, aber leider gab es dort fuer uns keine Gelegenheit fuer nen Job ! (Dass der bloede Erdbeerfarmer sich bis heute nicht gemeldet hat, nehm ich ihm echt uebel!)

Also entschieden wir an einem stuermischen Tag: Wir muessen weg aus Airlie Beach, wir brauchen jetzt echt mal Geld!
Aber erstmal in die Sonne und Plaene machen!
Auf dem Weg zur Lagoon (wie ein Freibad) strahlte uns ein Zettel am schwarzen Brett entgegen:
„LUXUS MITFAHRGELEGENHEIT im Gelaendewagen nach Brisbane. Abfahrt: Montag Abend!“
Luxus klang fuer uns armselige Gestalten wie das Paradies. Und um ehrlich zu sein, ich hatte schon ein Bild im Kopf: Ich,auf Ledersitzen mit gekuehlter Cola in der Hand, schau auf einem kleinen Flatscreen kitschige Liebesfilme an.

Ohne gross zu ueberlegen haben wir also die Nummer angerufen und eine Uhrzeit und einen Treffpunkt ausgemacht. Und wir konnten es kaum glauben, der nette Fahrer sprach von einem „goldigen“ Gelaendewagen. Wir sind vor Freude so richtig ausgerastet! GOLDENER GELAENDEWAGEN!!
Nach diesem Hoehenflug der Gefuehle haben wir einen Anschlussflug von Brisbane nach Melbourne gebucht.

Am selben Tag lernten wir eine neue Footballmanschaft (Airlie Beach ist voll davon!!) aus Melbourne kennen. Ein bis dato liebenswerter, unschuldiger, kleiner Kerl bot uns an, in seinem Appartement zu wohnen. Umsonst, und nur 15 min von Melbourne entfernt.
„Was fuer ein Deal“, dachten wir kleinen naiven Backpackermaedchen. Also haben wir unsere Handynummern ausgetauscht und sind jodelnd zurueck auf die Couch!
(Ich weiss Mama: „Geh nie mit einem Fremden mit..“ Mein erstes Kinderbuch! ABER: Ich hatte mein Klappmesser von Heinrich immer am Mann!)
Ein paar Tage spaeter war es dann soweit. Wiedermal Abschied nehmen zu einigen tollen Menschen (Ich liebe die Hollaender!), ein paar Sachen ausgemistet, Rucksaecke aufgeschnallt und weiter gehts!
Nachdem wir aus dem Hostel ausgecheckt haben, war es dann so weit: Die Mitfahrgelegenheit kommt bald!
Zerlumpt, wie wir nunmal aussehen (BACKPACKER) standen wir an der Strasse. Das einzige, was ich denken konnte, war: Was wird wohl der Fahrer des „goldigen“ Gelaendewagen von uns denken?
Lautes Gehupe.
Ein grauer Combi faehrt vor. Oh nein, mir schwant boeses. All meine luxurioesen Traeume verpuffen schlagartig.
Der Wagen hatte noch nichtmal einen klitzekleinen Goldeinschlag, noch nichtmal geschimmert hat er. Naja egal, wir wollen uns mal nicht so haben und der Kerl sieht ja auch ganz nett aus. Der Wagen ist sauber und Luxus braucht doch eh kein Mensch.

Der Fahrer (Jack, Jarett oder John) war sehr redebeduerftig. Die Geschichten ueber seine kleinen chinesischen Kinder mit seiner kleinen chinesischen Frau, die Tauchlehrerin ist und saemtlich Kurzgeschichten ueber die kleine chinesische Familie seiner kleiner chinesischen Frau waren nicht ganz so spannend. (Vor allem nicht 13 Stunden am Stueck, aber man moechte ja nicht unfreundlich sein.)
Was uns zugute kam war, dass es ihm so ziemlich egal war, WER wir waren und WAS wir machten. Er brauchte glaube ich einfach nur jemanden zum reden.
Nach 5 Stunden Fahrt kam die erste Pause.
Nachdem er -Jack, John, Jarett- also kurz in der Tankstelle verschwand, um sich einen Kaffee zu kaufen, nutzte Lia die Chance, um fuer kleine Maedchen zu gehen.
Die Toilettenschlange war allerdings ellenlang und Lia ist kein pingeliges Maedchen. Also verschwand sie hinter dem „goldigen“ Gelaendewagen. Allerdings ist ihr ein Fehler unterlaufen, der uns leider erst auffiel, als wir schon im Auto sassen.
Der Wagen war auf einem kleinen Huegel geparkt,was zur Folge hatte, dass JohnJarrettJack mit seinem Kaffee besorgt Runde um Runde um das Auto lief, auf der Suche nach dem Leck.
Gesagt hat er netterweise nichts.

Die restlichen 5 Stunden blieb ich wach. So durfte ich live miterleben, wie verrueckt doch einige Australier sind. JohnJarettJack redete naemlich mittlerweile mit sich selbst. Und sobald er jemanden ueberholte (er hatte es eilig, sein chinesischer Sohn lag im Krankenhaus), beugte er sich wie in einem Go-Kart nach Vorne und brabbelte Dinge wie: „Ich beschleunige.. 70..80….90…“

In Brisbane setzte er (wie auch immer er jetzt heisst) uns vor dem Haus von Lias Tante ab. Dort hatten wir ein paar nette Stunden, bis unser Flieger nach Melbourne ging. Ein Doppelbett! Und ein Fernseher! Und Kuchen und kleine Maedchen mit Schleifchen im Haar – ein Traum 🙂
Im Brisbane Airport wurde es dann aber wieder ein wenig chaotisch. Ich hatte den falschen Flug gebucht, also kamen wir zu spaet in Melbourne an. Ausserdem vergass ich mein Klappmesser im Handgepaeck, und mein Ruckack war schon in der Maschine. Meine vollen Getraenke und alle bislang angesammelten Gegenstaende (Diverse huebsche Stoecker und australische Samen und Bohnen) musste ich auch entsorgen. Und mein Handy hatte ich im Haus der Tante vergessen, als ich mit Kuchen vorm TV einschlief. Mist!
Das Klappmesser verschenkte ich also gutmuetig, nachdem ich es im Flughafen saeuberte (Keine gute Idee…)an einen netten Mann mit Glatze. Allerdings sah er mich minutenspaeter halb weinend auf dem Boden liegen und so kam er zu mir und sagte mir, er wuerde es mir per Post zukommen lassen. Nette Menschen in dieser chaotischen Welt!

Dann kamen wir in Melbourne an, wo wir gleich im Anschluss mit dem Zug zu der Adresse fuhren, die der FootballKerl uns genannt hatte. GRATIS UNTERKUNFT, WIR KOMMEN!
Aus seinen erwaehnten 15 Minuten Zugafhrt von Melbourne aus wurden 2 Stunden Bus und Zugfahrt.

Angekommen in einem kleinen, verlassenen Dorf warteten wir auf ihn.
Da kam er auch schon wie versprochen um die Ecke gesaust. Rein in den Zweisitzer und auf in ein neues Abenteuer!
Aber ne, erstmal muessen wir noch zu Mutti, den Anzug abholen.
Mutti war superlieb, so wie der Rest der Familei auch. Es gab viel Kaffee, noch mehr Kekse und weitaus mehr Hunde in dem kleinen, gemuetlichen Haus. Der Anzug war fuer die morgige Beerdigung. Im Auto erzaehlte Russell (sein Name) uns dann, dass sein kleiner Cousin -15- starb, weil er mit einer Pistole spielte (fragt mich nicht..), die letztendlich sein Auge traf. Schrecklich…:(

Seine Wohung -Mutti hatte vorher schoen durchgewischt und abgewaschen- stellte sich als helles, grosses niegelnagelneues Appartement heraus. Wir konnten unser Glueck kaum fassen, allerdings stellte sich nach den ersten 5 Metern in der Kueche heraus, dass es bis auf Kueche und Schlafzimmer keine weitere Einrichtung gab. Also schliefen wir auf dem Boden.
Nachdem wir 1 Woche in diesem Haus verbrachten, feststellten dass 2 Stunden in die Stadt zu weit waren, der liebenswerte kleine Kerl sich als aufdringlicher, sexistischer,widerlicher (Es tut mir Leid, ich will es nicht ausfuehren, aber er war es.) durchgedrehter Zwerg entpuppte, entschieden wir zu fliehen. Normalerweise wuerde ich so einen Aufbruch ja ankuendigen.. In diesem Fall gab es aber keine andere Moeglichkeit. So packten wir unsere sieben Sachen eines Morgens zusammen und liefen davon!
In diesem Moment, das kann ich euch sagen, spuerten wir das Leben so richtig in uns. Voller Tatendrang und Energie ging es also mit dem Bus zurueck nach Melbourne, um im Hostel zu wohnen. Lieber zahl ich das dreifache fuer ein Hostel, als jemals dort zurueck zu gehen.
2 Stunden spaeter schon irrten wir in Melbourne herum, auf der Suche nach einem Hostel. Genau eins war noch frei, 36 Schnapperdollar die Nacht fuer graue Waende und Betten wie im Gefaegnis!
Bleiben konnten wir aufgrund der Preise allerdings nicht, also sind wir in ein guenstigeres Hostel ein paar Meter weiter gefluechtet.
Das Hostel war gammelig, aber echt witzig.
Bis zu dem Tag, als ich ein Malbuch im Wohnzimmer fand.

Gluecklich ueber eine Beschaeftigung malte ich eines Abends also Bilder aus,waehrend 3 Buben um mich herum ueber einen erfolgreichen Raubzug lachten und dicke Scheine zaehlten.
Eingebrochen waren sie in eine Tankstelle, hatten den Menschen dort eine Schere an den Hals gehalten (WAS?! Sowas gibts doch nur in FIlmen!) und schliesslich das Geld abgezockt.
Nach dieser Geschichte packte ich pfeifend meine Stifte ein und schlich zurueck in mein Zimmer.

In Melbourne ging die Jobsuche so richtig los. Im Internet wurden jeglichen Jobseiten abgeklappert, sich online beworben, Nummern angerufen, und Lebenslaeufe in Geschaefte, Cafes und Bars gebracht.

So kamen wir zu unserer naechsten Geschichte.
„Frauen gesucht fuer ein Fotoprojekt. Groesse und Figur spielt keine Rolle!“
Letztendlich stellte sich das Ganze leider als ein Vorstellungsgespraech fuer Sexfilmchen heraus, welches wir natuerlich ablehnten. Eine witzige Erfahrung war es.

Nun haben wir eine richtige Wohnung mit 3 anderen Deutschen, mitten in Melbourne! Und nen Job hinter der Bar auch!
THE END!

P.S: FOTOS FOLGEN!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s